"Vater, Mutter, Kind - Realität oder Relikt? -- Ein Blick auf die Familie und die Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert"

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

an Feindbildern herrscht in unserer Gesellschaft kein Mangel: Muslime, Klimasünder, Banker, Hartz4-Empfänger, Kinderlose, Kinderreiche.

 

Aber kaum ein Feindbild dürfte so erstaunlich sein wie das andere Geschlecht. Und doch scheint die Geschlechtlichkeit die  Menschen zunehmend zu entzweien. Wer Medien, Publikationen, öffentliche Äußerungen und Kulturerzeugnisse mit besonderem Fokus auf das Thema Geschlecht beobachtet, der muss sich in einem Kriegsgebiet wähnen. Da sollen finstere Männerbünde weibliche Leistungsträger am Aufstieg in die Vorstandsetagen hindern und verstörte Jungen sollen durch exzessiven Pornokonsum für Massenvergewaltigungen konditioniert werden. Manche Wissenschaftler konstatieren die grundsätzliche Gewaltaffinität des Mannes, und ein Wochenmagazin erklärt junge Männer zur "gefährlichsten Spezies der Welt". Eine Rockband erlangt Erfolg, indem sie Männer Schweine nennt, und eine Autorin erringt literarischen Ruhm durch Folter- und Mordgeschichten; die Opfer: Männer.

 

Bei solchen Aussichten will man natürlich nicht zusammenleben. Nach Daten des statistischen Bundesamtes lebten 2010 43% der Deutschen als sogenannte Singles.   Bundesweit werden durchschnittlich 39% der Ehen geschieden, in urbanen Zentren jede Zweite.

 

Wer von einer Feindschaft der Geschlechter reden will, der darf vom Feminismus nicht schweigen. Er ist in der Bundesrepublik untrennbar mit dem Namen Alice Schwarzer verbunden. Die wahrscheinlich bekannteste Vertreterin der Frauenbewegung  verschaffte sich in den Siebzigern öffentliche Aufmerksamkeit mit ihrem Kampf für ein liberales Abtreibungsrecht. Die These Schwarzers: Mann und Frau seien grundsätzlich gleich, die Rollenverteilung sei ein Ausdruck von sexueller und ökonomischer Unterdrückung. Bereits 1971 trat die Philosophin Esther Vilar dieser These entgegen. Nicht Frau, sondern Mann sei das unterdrückte, das eigentlich schwache Geschlecht. Durch geschicktes Spiel auf der Klaviatur von Beschützer- und Sexinstinkt mache die Frau den Mann zu ihrem willigen Arbeitstier, der seinem Schuften für weibliche Komfortbedürfnisse seine deutlich niedrigere Lebenserwartung verdanke. 

 

Derweil wurden die Ideen Schwarzers Allgemeingut. Die Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer spricht gar von einem echten Staatsfeminismus. der durch staatlicherseits gegründete Institutionen in den letzten dreißig Jahren eine Demokratisierung westlicher Gesellschaften in Frauenperspektive erreicht hätte. Und tatsächlich, Frauenministerien, Frauenhäuser und Gleichstellungsbeauftragte sind selbstverständlich geworden. Seit 2001 will die Bundeswehr in all ihren Bereichen von weiblicher Kompetenz profitieren und soll ein sogenannter Girls Day an deutschen Schulen das weibliche Geschlecht auf den Weg in traditionell als männlich verstandene Berufsfelder führen.

 

In der akademischen Welt hat sich ein ganzer Zweig von Wissenschaften etabliert, der die einst als unverrückbar gegoltenen Geschlechtsidentitäten als soziale Konstrukte deutet. Unter dem Schlagwort Gender Mainstreaming wurde das zur Basis politischer Initiativen und Agendas. Das "In" wurde zum allgegenwärtigen sprachlichen Abzeichen von Gechlechtergerechtigkeit. Was zwei Buchstaben auf dem Papier erzeugen, soll bald über Quotenregelungen auch in der freien Wirtschaft Normalität werden, so wie es in Schweden und  Norwegen bereits praktiziert wird.

 

Schon lange bevor der Feminismus zur Staatsräson geworden sein schien, machten konservative Kritiker in ihm den Schuldigen für den Geburtenrückgang aus. Auch Jugendkriminalität und sexuelle Verwahrlosung seien Folge des durch den Feminismus gezündeten Familienzerfalls.

 

Nicht der Erhalt der hergebrachten Ordnung, sondern ihre Rechte als männliche Menschen und eine nach ihren Ansichten echte Geschlechtergerechtigkeit haben sich die sogenannten Maskulisten auf die Fahnen geschrieben. Maskulisten meinen vor allem im Unterhalts- und Sorgerecht, aber auch in der medialen Darstellung des männlichen Geschlechts, eine Entwicklung hin zu einer Unterdrückung des Mannes zu erkennen. 

 

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Geschlechtlichkeit des Menschen im Westen in ihrer Deutung so verändert wie nie zuvor. Überkommene Selbstverständlichkeiten gerieten auf den Prüfstand, mit noch unabsehbaren Folgen. Eine vollkommene Freiheit wurde propagiert, doch gleichzeitig traten unzählige Forderungen an den Einzelnen heran, wie er als Mann, als Frau, als Mensch zu sein oder gerade nicht mehr zu sein habe. 

 

Wo stehen wir als Frauen, Männer, Menschen jetzt, wo können und wo wollen wir hin? Um diese Fragen zu diskutieren laden wir im Herbst 2012 zur VIII. Bielefelder Ideenwerkstatt Vortragende beiderlei Geschlechts und aller Couleur ein.

 
Um sich für die Veranstaltung anzumelden schicken Sie bitte eine Nachricht an anmeldung [ @ ] bielefelder-ideenwerkstatt.de unter Nennung Ihres Namens und Ihrer vollständigen Kontaktdaten.
 

Mit studentischen Grüssen

 

 

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